Volles Haus bei der Tagung des Fachverbands Ziegelindustrie Nord im Rahmen der Messe NORDBAU am 07.09.2016 in Neumünster

Seminarveranstaltung 2016
v.l.: Herr Dr.-Ing. Altaha, Herr Dipl.-Ing. Horschler, Herr Dr. Leicht

Hochkarätige Referenten mit aktuellen Themen zum neuen Baurecht, EnEV 2016 und Feuchteschutz von Verblendmauerwerk haben für einen guten Zulauf mit rund 170 Teilnehmern bei einer Neuauflage der Fachtagung des Fachverbands Ziegel Nord im Rahmen der Messe NordBau in Neumünster gesorgt.

Im ersten Vortrag stellte Herr Dr. Peter Leicht, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, den Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Reform des Bauvertragsrechts zur Änderung der kaufrechtlichen Mängelhaftung vor. Das neue Gesetz soll zum Jahreswechsel 2016/17 in Kraft treten. Herr Dr. Leicht wies u.a. darauf hin, dass insbesondere §§ 439 und 445 a BGB, welche sich mit den nunmehr vom Verkäufer geschuldeten Aus- und Wiedereinbaukosten der mangelhaften Kaufsache bzw. einem entsprechenden Rückgriff gegenüber dem Vorlieferanten beschäftigen, für die Ziegelindustrie relevant sein werden. Bislang sei der Wiederverkäufer von Baustoffen rechtlich dadurch privilegiert gewesen, dass ihm ein mögliches Verschulden seines Lieferanten bei der Herstellung oder aber Überprüfung des gelieferten Baustopps nicht zuzurechnen war und die sogenannten Aus- und Wiedereinbaukosten nicht der Gewährleistung unterfielen, sondern nur unter dem Gesichtspunkt eines verschuldensabhängigen Schadenersatzanspruches verlangt werden konnten. Für den Verbrauchsgüterkauf wurde bereits durch die Rechtsprechung eine entsprechende Erweiterung des Gewährleistungsbegriffs vorgenommen; für den Unternehmerverkehr schafft nun die angedachte gesetzliche Regelung verbindliche Klarheit. Hierdurch wird die Haftung des Herstellers, Lieferanten und Einzelhändlers ganz wesentlich erweitert.

Herr Dipl.-Ing. Architekt Stefan Horschler ging in seinem Vortrag auf die 2. Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung vom 18.11.2013 und EEWärmeG ein und stellte die Überlegungen zu künftigen Änderungen vor. Die Erfahrung in der Praxis hätte gezeigt, dass geplante Neubauten mit Heizungen mit niedrigen Primärenergiefaktoren die Anforderungen an den Jahres-Primärenergiebedarfs erfüllen würden auch indem sie den Wärmeschutz des Referenzhauses unterschreiten. Ohne regenerative Energieträger wird es ohnehin schwierig, die Anforderungen einzuhalten. Herr Horschler hob bei der Wahl von Außenwänden vor allem die Vorteile der zweischaligen Wandkonstruktion hervor und betonte, dass diese Bauweise eine wartungsarme und auf jede energetische Herausforderung zukunftssichere Außenwandkonstruktion darstellen würde. Herr Horschler beendete seinen Vortrag mit dem Satz, dass Energieeffizienz final durch Planung und Ausführung und wesentlich durch die Nutzung bestimmt wird.

Seminarveranstaltung 2016

Im letzten Vortrag befasste sich Herr Dr.-Ing. Nasser Altaha vor dem Hintergrund der geänderten normativen Anforderungen mit der Frage, wie man heute zweischaliges Verblendmauerwerk ohne Risiko planen und ausführen kann. Insbesondere müssen die Brandschutzbestimmungen beachtet werden, welche neu in die DIN 4102-4 aufgenommen worden sind. Zudem wurde die Problematik der Festigkeitsminderung und Wasserdurchlässigkeit von Mörtelfugen in Verbindung mit in Fertigmörtelmischungen verwendeten Zusätzen erläutert. Im letzten Teil seines Vortrages setzte sich Herr Dr. Altaha mit dem Entwurf der neuen Abdichtungsnorm DIN 18533 kritisch auseinander und stellte die Praxisrelevanz der neuen Anforderungen für die Sockelabdichtung in Bezug auf die zweischalige Wandkonstruktion in Frage.

Zum Ausklang der Veranstaltung war mit der traditionellen Erbsensuppe für das leibliche Wohl gesorgt und es gab zudem die Gelegenheit für Gespräche mit anderen Teilnehmern und den Referenten.